Der peñero des Fischers Maximiliano Quiñones, zweitausendsiebzehn in Pampatar auf der Werft von Eulogio Marcano vom Stapel gelaufen, war nach jenem Schema gebaut, das die Tischler von Margarita von den im sechzehnten Jahrhundert gelandeten Kanariern geerbt hatten, das heißt mit leicht konvexem Kiel, dem um zwölf Grad über die Wasserlinie angehobenen Bug und den beiden inneren Decksbalken aus roter Mangrove statt aus Zeder: eine örtliche Variante, eine Art Dialekt des Holzes, die es dem peñero erlaubte, in die Korallenuntiefen einzufahren, ohne den Grund zu schrammen. Eulogio war im Jahr zweiundzwanzig gestorben, an einem Schlaganfall, während er einen Block guayacán hobelte, und seine Werft war von den Söhnen geschlossen worden, die in Bogotá lebten und nicht wussten, was sie damit anfangen sollten. Maximiliano besaß also, ohne es zu wissen, einen der letzten nach der alten Methode gebauten peñeros, und er hing an ihm auf zerstreute Weise, wie man an einer Sache hängt, die uns überleben wird. An jenem Donnerstag, dem achtzehnten Juni zweitausendsechsundzwanzig, um vier Uhr zweiundzwanzig nachmittags, während er das Deck vom verkrusteten Salz säuberte, hielt er einen Augenblick inne, um die Wasserlinie zu betrachten, die die Backbordseite kräuselte, und dachte, der peñero sei im Grunde ein geduldiges Geschöpf. Er war es nicht. Seit sieben Monaten hätte ein gerissener Decksbalken ersetzt werden müssen. Maximiliano wusste es.
Der Fischer, vierundvierzig Jahre alt, seit dreiundzwanzig verwitwet, Vater einer einzigen Tochter, Doris, lebte in einem Haus aus Beton und kleinen gelben Ziegeln, Hausnummer fünfzehn der Calle Las Vegas, im Viertel La Asunción auf Margarita. Das Haus gehörte seiner Mutter, die zweiundzwanzig in Caracas unter wenig geklärten Umständen gestorben war, und Doris schlief in dem Zimmer, das der Großmutter gehört hatte, auf einem Einzelbett mit senffarbener Tagesdecke. An jenem Nachmittag war Doris in Porlamar, wo sie als Verkäuferin in der Apotheke eines gewissen Iván Bermúdez arbeitete. Doris verdiente hundertachtzig bolívares die Woche, was zu den Kursen jenes Juni ungefähr sechzehn amerikanischen Dollar entsprach; Maximiliano brachte in einer guten Fangwoche zweiundvierzig nach Hause. Der Unterschied, man wird es weiter unten sehen, war nicht unerheblich.
Die handwerkliche Fischerei auf der Insel Margarita war seit dem erklärten Zusammenbruch des Erdölsektors im Jahr zweitausendachtzehn und der fortschreitenden Abwertung der Währung eher eine Tätigkeit des Überlebens als des Marktes geworden: dreiundachtzig Prozent der Küstenfamilien von Nueva Esparta hingen, den vom INE in Caracas im Jahr vierundzwanzig veröffentlichten und seither nie aktualisierten Daten zufolge, direkt oder indirekt von dem ab, was in die nächtlichen Netze ging. Nachtfischerei war Fischerei auf Zackenbarschbrut, auf den braunen Zackenbarsch, auf die Segelmakrele; der Vollmond war ein günstiges Tier, denn er erleuchtete das Wasser, ohne die Schwärme zu blenden. Den Mond des achtzehnten Juni hatte Maximiliano berechnet, indem er die Tage seit der letzten Vollphase zählte, und an jenem Abend musste er bei zweiundsiebzig Prozent stehen, ausreichend. Maximiliano hatte vorgehabt, um einundzwanzig Uhr fünfzehn auszulaufen, mit dem Yamaha-Motor von sechzehn Pferdestärken, den er im Jahr zuvor selbst überholt hatte, unter Verwendung einer Kurbelwelle kolumbianischer Herkunft, gekauft von einem Ersatzteilhändler aus Maracaibo, der ihm einen freundschaftlichen Preis gemacht hatte, weil er den Vater von Doris kannte.
Um einundzwanzig Uhr neun, während er die Bugleine vom Steg löste, hörte Maximiliano das Geräusch. Es war nicht das Geräusch der MQ-Nine-Drohnen, das er seit acht Monaten zu erkennen gelernt hatte: es war das Geräusch eines anderen Motors, tiefer, gleichmäßiger, eine Art fast stummes Summen. Er dachte an das Motorboot von Casto Salazar, das um diese Stunde vom Zackenbarschfang zurückkam. Aber es war nicht Casto. Maximiliano hob die Augen und sah das erste Licht, einen Stern, der sich zu schnell von Nordosten her bewegte. Er dachte: die Drohne. Dann dachte er sofort: ich führe nichts mit mir. Er dachte: ich bin ein Fischer mit dem Schein für handwerkliche Fischerei Nummer null-null-fünf-vier-zwei, ausgestellt vom Ministerium der Volksmacht für Fischerei, gültig bis Dezember dreißig. Er dachte: das genügt nicht.
Die Operation Southern Spear hatte den vom Südkommando der Vereinigten Staaten am sechzehnten Juni zweitausendsechsundzwanzig veröffentlichten Statistiken zufolge bis zu jenem Tag dreiundsechzig Boote getroffen und zweihundertzehn bestätigte Tote im karibischen Bogen verursacht, einschließlich der internationalen Gewässer vor Venezuela. Keines der getroffenen Boote war dem amtlichen Bulletin zufolge als Fischerboot identifiziert worden; alle waren als Träger des Drogenhandels bezeichnet worden oder, nach der seit dem siebten Juni übernommenen Formel, als verdächtige Träger. Der Unterschied zwischen Fischerboot und verdächtigem Träger hing auf offener See, bei zweiundsiebzig Prozent Mond, von drei Dingen ab: der Geschwindigkeit des Ziels, der Zahl der Insassen, dem Vorhandensein oder Fehlen von Ladung, die für die Wärmebildkamera sichtbar war. Maximiliano war allein, bei sechs Knoten, mit drei ordentlich am Heck zusammengelegten Schleppnetzen. Die Netze konnten in den Wärmedaten wie Säcke aussehen.
Maximiliano stellte den Motor ab. Er zog die Bugleine ein und vertäute wieder am Steg. Er ging langsam ans Ufer zurück, weil der Stern am Himmel sich weiter bewegte und weil er nicht wie einer aussehen wollte, der rennt. Um einundzwanzig Uhr vierzehn setzte er sich auf die niedrige Betonmauer vor dem Kiosk von Casto, zündete sich eine Zigarette an und sah dem Stern nach, wie er sich nach Südosten entfernte, zu den Wassern der Untiefe des Rey hin, wo in jenem Augenblick wahrscheinlich ein anderer Fischer, mit einem anderen Schein in der Tasche, schon bei sechs Knoten unter dem Himmel war. Er hörte, zwei Minuten später, das Geräusch von etwas, das aus großer Höhe fällt und auf dem Wasser endet. Er hörte, sechs Sekunden später, einen dumpfen Knall. Er sah über dem Horizont ein orangefarbenes Licht, das vielleicht eine halbe Sekunde dauerte und dann verschwand. Casto trat aus dem Kiosk, trocknete sich die Hände an der Schürze, sah ihn an, sagte nichts, ging wieder hinein. Maximiliano drückte die Zigarette auf der Mauer aus und ging nach Hause. Doris kochte gerade den Reis. Er sagte ihr nicht, am nächsten Tag nicht zur Arbeit zu gehen.
Fakt: Die Operation Southern Spear des Südkommandos der Vereinigten Staaten hatte im karibischen Bogen vor Venezuela bis zum sechzehnten Juni zweitausendsechsundzwanzig dreiundsechzig Boote getroffen, mit zweihundertzehn bestätigten Toten; keines der Boote ist vom Pentagon als Fischerboot identifiziert worden. Die Nachtfischerei in den venezolanischen Küstengewässern ging weiter (CNN, Al Jazeera).
Welt: In Dnipro, Ukraine, sterben zwei Menschen und siebzehn werden verletzt bei einem russischen Drohnen- und Raketenangriff in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (Kyiv Post). Die Hafenarbeiter von Hamburg und Bremerhaven legen für vierundzwanzig Stunden die Arbeit nieder (Travel And Tour World). In Paris streiken die Journalisten gegen die Entlassungspläne in den großen Verlagsgruppen (Journalistes FO).
Varianten: 5.
Calcedonio · Pneuma II.
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