Sardar Heights hat man im Jahr zweitausendsechzehn hochgezogen, dort wo vorher die Glashütte der Brüder Patel stand, und hier komme ich immer durcheinander, denn die Patels von Valsad sind viele, und die von der Glashütte waren nicht verwandt mit denen, die heute im siebten Stock wohnen, und niemand aus Manavs Familie ist je hierhergekommen, um die Materialien auszusuchen, denn Manav ist nur gekommen, um zu liefern. Ich bin hier seit zweitausenddrei, als diese Ecke der Straße nach Nani Daman noch rote Erde war und am Abend die Karren vorbeikamen, um in der Glashütte die Fässer zu füllen — das klare Glas wurde mit dem Mund geblasen und in Holzkisten mit Stroh verpackt, Stroh, um das ich und zwei andere Jungen baten, als Geschenk, für die Hühnerställe zu Hause. Jetzt macht man das Glas anderswo, und die Patels von der Glashütte sind fort, und das Haus, das man danach hochgezogen hat, hat dreizehn Stockwerke.
Die dreizehn Stockwerke — hier muss ich genau sein — sind nicht alle gleich: die ersten fünf sind die inneren, aus grauem Beton, bewohnt von Eisenbahnerfamilien; vom sechsten an beginnt das Rauchglas, die Fassade wird glänzend, und dort hinauf steigen die Ärzte, die Ingenieure, die Patels, die wieder Patels sind. Das dreizehnte ist das letzte, und es hat den Laubengang aus Sicherheitsglas. Nachts, von meinem Pförtnerhäuschen aus, sieht man das dreizehnte als eine gelbe Linie, weil sie die Dienstbeleuchtung auch dann brennen lassen, wenn sie schlafen.
Manav ist fünfmal gekommen, von Montag bis Freitag der vergangenen Woche, immer nach dreiundzwanzig Uhr, immer den Helm in der Hand. Den Helm erkennt man an der roten Farbe und an dem Schriftzug Domino's an der Seite. Die vier Nachtlieferungen, die am Tor zugelassen sind, schreiben wir auf: Wohnung, Uhrzeit, Betrag. Aber Manav kam nicht, um in Sardar Heights zu liefern, denn im Buch steht seine Unterschrift nicht. Manav kam durch die seitliche Diensttür herein, die auf das Diensttreppenhaus geht, und stieg hinauf. Zu Fuß. Ich weiß es, weil der Aufzug die Rufe an der Tafel aufzeichnet, und an den fünf Abenden ist die Tafel nicht angegangen. Dreizehn Stockwerke zu Fuß hinaufzusteigen um dreiundzwanzig Uhr, nach einer Schicht bei Domino's seit siebzehn Uhr, und davor — der Besitzer Bhavesh hat es mir vorige Woche am Kiosk gesagt — einer Morgenschicht in einer Eisfabrik beim Vetter seiner Frau, das ist etwas, das man aus keinem mir bekannten Grund tut, außer aus einem: den letzten Stock zu suchen. Aber dann, sagte ich mir beim ersten Mal, dann würde er hinaufsteigen und dort bleiben.
Und stattdessen — das ist es, was an mir hängen geblieben ist und wonach die Polizei mich heute Morgen gefragt hat und was zu sagen ich mich entschieden habe zu unterlassen — in der Donnerstagnacht ist Manav hinaufgestiegen, ist fünf Minuten vor dem dreizehnten Stock stehen geblieben und dann wieder hinuntergegangen. Man sieht es an der Kamera des Laubengangs, wenn jemand vorbeikommt. Genau fünf Minuten. Ich habe es mit meiner Forerunner gestoppt, die russisch ist, Herr Mehta aus dem neunten hat sie mir geschenkt, sie zählt die Sekunden mit ihrem Ticken ab. Fünf Minuten, dann hinunter.
Heute Morgen, um fünf Uhr vierzig, habe ich das Hoftor geöffnet, und der Helm lag zwei Meter vom Körper entfernt. Den Körper sieht man weniger gut. Ich bin außerhalb des Kreises stehen geblieben und habe die Wache der öffentlichen Sicherheit gerufen. Inspector Solanki ist gekommen, ich kenne ihn, er ist aus Atul, seine Frau hat den Mangostand auf dem Markt von Dharampur. Er hat mich gefragt: was hast du diese Woche gesehen. Die Frage hat er im Pförtnerhäuschen sitzend gestellt, mit dem Glas lauwarmen Wassers, das ich ihm selbst eingeschenkt hatte.
Ich hatte einen Augenblick. Ein Augenblick ist eine Zeit, die man mit der Forerunner nicht misst. Ich dachte: ich kann ihm die fünf Minuten vom Donnerstag im dreizehnten sagen, und dann sage ich, dass ich es wusste, und er wird mich fragen, warum ich nicht gesprochen habe — und ich wüsste nicht zu antworten. Oder ich kann ihm nur von dem Helm heute Morgen sagen, von der seitlichen Diensttür, von dem Aufzug, der nicht angeht.
Ich habe nur von dem Helm gesagt. Ich habe gesagt: heute Morgen um fünf Uhr vierzig. Ich habe gesagt: er lag zwei Meter entfernt. Er hat es notiert. Er hat getrunken. Er hat sich bedankt. Er ist nach oben gegangen, um das dreizehnte anzusehen.
Als er fort war, habe ich den Lappen mit dem Lysol genommen und den Hofboden auf der dem Kreis entgegengesetzten Seite gewischt, dort wo nichts geschehen war. Den Boden auf der entgegengesetzten Seite zu wischen, während die Fotografen der Spurensicherung auf der Seite arbeiten, wo etwas geschehen ist, ist ein Handwerk für sich, und ich will sagen, dass man es lernt — ich habe es von meinem Vorgänger gelernt, von Herrn Rajpal, der vor mir hier war, als es die Glashütte noch gab, und der immer zu mir sagte: die Böden, die auf der Seite gewischt sind, wo nichts geschehen ist, sind die, auf die die Leute schauen, wenn sie aus dem Aufzug treten. Ich bin es, der entscheidet, was die Leute beim Hereinkommen sehen und was die Leute beim Hinausgehen sehen.
Jetzt, während ich mit Bhaveshs Neffen spreche, der das Telefon hat und für seinen Onkel aufnimmt, steht das Tor offen. Die Bewohner des siebten und des neunten kommen herunter, um zur Arbeit zu gehen. Niemand schaut in den Hof. Alle schauen auf den sauberen Boden der entgegengesetzten Seite.
Den Helm haben sie vor zwei Stunden weggebracht, mit Handschuhen. Die Familie war noch nicht eingetroffen. Manavs Mutter — ich habe es vom Vetter des Pizzeriabesitzers erfahren, der gekommen ist, um mit mir zu sprechen — weiß noch nichts von den Krediten. Dass sie es erführe, war der Grund, weshalb Manav es nicht sagte. In der Donnerstagnacht im dreizehnten, fünf Minuten, hatte er sich überzeugt. In der Freitagnacht war es schon etwas anderes: da war er jemand, der auf den Sonntag wartete.
Fakt: In Valsad, in Gujarat, springt Manav Rajubhai Patel, zweiundzwanzig Jahre alt, Delivery Executive bei Domino's, in der Nacht des siebten Juni zweitausendsechsundzwanzig vom dreizehnten Stock von Sardar Heights. Er arbeitete Doppelschichten, um seine Mutter zu erhalten, nachdem der Vater anderthalb Jahre zuvor gestorben war, verschuldet. (Republic World, OneIndia, Mothership.SG)
Welt: In Palu, auf der Insel Sulawesi, erschüttert am fünfzehnten Juni ein Erdbeben der Stärke sechs Komma sieben die Stadt: die Krankenhäuser verlegen die Patienten mit dem Tropf ins Freie (USNews, ABC News). In Donetsk töten tausendfünfundsechzig russische Einschläge in vierundzwanzig Stunden vier Menschen und verletzen 17 (Kyiv Independent). Die Europäische Kommission verlegt vorsorglich siebenhundertsiebenundsiebzig Feuerwehrleute in sechs südliche Länder für die Sommersaison (European Civil Protection).
Varianten: 5.
Calcedonio · Pneuma I.
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