In jener Nacht fuhren wir hinaus, es war fast elf, der See lag flach da und es gab keinen Mond, und ich tat, was ich immer tue, bevor wir losfahren, ich rollte das ganze Kabel aus, Arm um Arm, ich sah mir die Klemmen an den beiden Enden an und die mit Band umwickelte Spleißstelle, denn das Band auf der Spleißstelle macht einen Buckel, und den Buckel findet der Fuß auch im Dunkeln, und deshalb erkannte ich mein Kabel immer wieder zwischen allem anderen, was am Boden des Bootes lag.
Dann rollte ich es wieder zu einer Spirale auf, so bewahrt man es auf, und stellte die leere Kiste darauf, und Bekzod schob mit dem Ruder, um beim Schilf kein Geräusch zu machen, und wir fuhren dorthin, wo der Kanal in den großen See mündet, wo das Wasser flach ist und der Fisch steht.
Ich kann nicht schwimmen. Ich habe es ein einziges Mal gesagt, zu meiner Frau, im ersten Jahr, und danach zu keinem mehr von denen, mit denen ich nachts hinausfahre, denn so etwas sagt man einmal und kommt dann nicht darauf zurück.
Der Generator läuft leise an, und wenn das Kabel ins Wasser geht, macht es ein Summen, das nicht laut ist, aber auf dem stillen Wasser weit trägt, und unter dem Summen bewegt sich das Wasser kaum, dann kommen sie mit dem Bauch nach oben herauf, die kleinen zuerst und die großen danach, dann schaltet man ab, das Summen hört auf, und es bleibt eine Stille, die stiller ist als vorher, und in dieser Stille sammelt man mit den Händen, schnell, weil sie nicht für immer oben bleiben.
Wir bekamen anderthalb Kisten, und ich legte die großen nach unten und die kleinen nach oben, wie ich es immer mache, denn wer in ein Boot schaut, schaut oben hin.
Das Licht kam flach über das Wasser, und vorher war da nichts gewesen, kein Motor, keine Stimme, nur dieses Licht, das sich über dem Wasser verbreiterte und bis zu uns reichte, und Bekzod zog das Ruder ein und ich holte das Kabel herein, und dann kam der Motor und dann kamen die Stimmen, und ihr Boot fiel uns seitlich an, und einer griff mit beiden Händen nach unserem Bordrand und fing an, sich hereinzuziehen, und wir stießen den Bordrand weg, um loszukommen, beide zusammen, und seine Hände lösten sich, und es gab den Stoß und es gab den Aufschlag, und die Lampe ging unter und einen Augenblick lang leuchtete das Wasser von unten auf und dann erlosch es.
Unser Boot lief noch ein paar Meter weiter und blieb stehen. Er rief. Ich hatte das Kabel auf den Knien und meine Hände arbeiteten von allein, und sie zogen die Klemme fest und strichen den Draht glatt, da wo er aus der Klemme kommt, und drehten das Band zwischen zwei Fingern und kehrten zur Klemme zurück, und die Augen sahen den Händen zu.
Und dann nahm ich die Kiste von der Spirale und nahm das Kabel an der Klemme und ließ es über den Bordrand hinab zu der Stelle, wo er rief, und das Kabel ging hinunter und der Teil, der ins Wasser kam, wurde dunkel und schwer und zog den trockenen nach unten, und die Linie über dem Bordrand wurde in meiner Hand kürzer, und ich hielt die Klemme fest in der Handfläche und ließ sie nach und nach laufen, und die Klemme schlug einmal gegen das Holz des Bordrands und danach berührte sie nichts mehr.
Und Bekzod hatte schon vorher die Hand am Gashebel, und er zog ihn hoch, und der Motor ging in die Drehzahl und das Boot bewegte sich unter meinen Füßen, während das Kabel noch straff stand, und das Kabel löste sich von selbst vom Wasser und die Linie legte sich quer, und Bekzod sagte: „Wenn du ihn hochziehst, sieht er dir ins Gesicht.“ Und dann sagte er: „Und mit dem Ding in der Hand ist das keine Geldstrafe.“
Das Kabel war zwei Meter hinuntergegangen. Man sah es am nassen Teil, der fast bis zu meinem Knie dunkel war, und der andere Teil lag noch aufgerollt am Boden und ich hatte ihn nicht angefasst.
Und in dem Augenblick hörte er auf zu rufen, und das Boot fuhr weiter und das Kabel stand noch straff über dem Wasser, und die Linie wurde kürzer und dann blieb sie stehen.
Und ich zog es hoch. Ich wickelte es mir wieder über den Arm, vom Ellbogen zur Hand, so wie man wickelt, und legte es wieder in seiner Spirale auf den Boden, und stellte die Kiste darauf, und Bekzod hielt Gas bis zum Schilf und keiner von uns beiden drehte sich um.
Am Ufer war es noch dunkel und wir luden den Fisch aus wie in jeder Nacht, die anderthalb Kisten, und der, der ihn abholt, zählte das Geld auf der Motorhaube und fragte nichts, er fragt nie etwas, und Bekzod ging zu Fuß zur Straße, ohne noch etwas zu sagen.
Ein paar Tage später erzählte einer auf dem Markt, den von der Inspektion hätten sie am nächsten Tag herausgeholt, weiter unten, wo das Wasser dreht, und sie hätten ihm eine Medaille gegeben, auf der Verteidiger der Natur stand, und er habe Sanjar Nazarov geheißen und ein kleines Kind gehabt. Ich lud gerade die Kisten vom Lieferwagen und lud weiter die Kisten vom Lieferwagen.
In der Nacht darauf fuhren wir trotzdem hinaus, denn der Fisch wartet nicht, und bevor wir losfuhren, rollte ich das ganze Kabel aus und prüfte die Klemmen und die Spleißstelle, und ich rollte es wieder zu einer Spirale auf den Boden und stellte die leere Kiste darauf, und der Fuß ging darüber und fand den Buckel des Bandes und blieb dort stehen. Das Kabel war überall trocken, bis auf ein Stück. Dieses Stück trocknet zuletzt.
Fakt: Auf dem Seensystem Aydar-Arnasay fällt bei einem Einsatz gegen den Fischfang mit der Elektrode ein Spezialist der Staatlichen Ökologischen Inspektion nach dem Widerstand der Wilderer ins Wasser. Die Leiche wird am nächsten Tag geborgen; für die Familie eine postume Medaille. (Gazeta.uz, 10. September 02026.)
Welt: In Kinshasa tötet ein Brand in einem Hochzeitssaal im Viertel Lingwala zweiundzwanzig Menschen (Associated Press). In der Kaserne von Viacha in Bolivien explodiert ein Lager mit pyrotechnischem Material: neun Tote und sieben Vermisste, fast alle achtzehnjährige Rekruten (Al Jazeera). In Nepal holen die Retter zehn Tage nach der Flut, die eintausenddreihundertzweiundsechzig Menschen getötet hat, zwei Überlebende lebend heraus (CNN). In Everett, Massachusetts, verlassen eintausenddreihundert Kasinobeschäftigte ihre Schichten (Boston Globe).
Varianten: 6.
Reticello · Pneuma II.
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