eine Erzählung am Tag, für immer
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Weiter nach Herstal

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Es gab eine Fahrerin aus Jemeppe, Provinz Lüttich, die seit elf Jahren die Linie fuhr, die am Dialysezentrum vorbeikommt, und sie fuhr sie immer zu dieser Stunde, die erste Fahrt, die um sechs Uhr zwanzig.

Im Depot sagte man von ihr, sie komme immer zwanzig Minuten vor Dienstbeginn, und niemand habe es je bemerkt, denn wer früh kommt, den bemerkt keiner.

In die Fahrt um sechs Uhr zwanzig stiegen zwei Personen ein und drei Haltestellen später wieder aus, vor dem Zentrum, dreimal in der Woche, seit vier Jahren.

Seit vier Jahren waren es immer dieselben zwei, und sie stiegen in derselben Reihenfolge ein, und sie saßen auf demselben Platz, und die, die als Erste einstieg, trug den Ausweis des Zentrums in der Manteltasche auch im Sommer, wenn sie den Mantel nicht anhatte, sondern über dem Arm.

An dem Tag, an dem der Streik begann, es war ein Donnerstag, kam Fabienne um fünf Uhr fünfzig ins Depot, wie immer, und auf der Tafel stand ihre Fahrt und war nicht gestrichen.

Niemand hatte etwas gestrichen. Sie fuhr an jenem Morgen einfach nicht.

An jenem Morgen waren im Depot zweiunddreißig Personen und der Kaffeeautomat.

Der Kaffeeautomat im Depot von Jemeppe nimmt Münzen und gibt kein Wechselgeld heraus, und Fabienne bringt ihre Münzen von zu Hause mit, nach Werten sortiert in einer Pastillendose.

In der Dose war an jenem Donnerstag genug für zwei Kaffee, und sie hat nur einen genommen.

Malik kam mit der Liste der Depots vorbei, die sich angeschlossen hatten, und las sie laut vor, eins nach dem anderen, und er las sie alle vor, weil sich alle angeschlossen hatten.

Das, wofür sie sich angeschlossen hatten, war ein Gutschein über hundert Euro im Jahr.

Der Gutschein ist ein Blatt Papier mit einer aufgedruckten Nummer; er lässt sich nur in bestimmten Geschäften ausgeben, er verfällt im Dezember, und wie man im Depot sagt, ist er für Glühbirnen und Waschmittel da, und manche geben ihn ihrer Frau und manche verlieren ihn.

Hundert Euro im Jahr sind weniger als zwei Euro in der Woche; ein Abkommen über fünf Jahre garantierte sie allen im Netz, und das Abkommen ist im Dezember ausgelaufen, und im Dezember hat niemand jemandem etwas weggenommen.

Es wurde einfach nicht erneuert.

Dann ist im August die Schlichtung der Region gescheitert, und da haben die Depots die zwei Tage festgelegt, und die zwei Tage begannen an jenem Donnerstag um sechs.

Um sechs Uhr fünf schrieb Fabienne der Frau, die als Erste einsteigt, eine Nachricht, und sie hat sie nicht abgeschickt, weil sie die Nummer der Frau nie gehabt hatte.

Die Nummer, die sie hatte, war die des Zentrums, das um diese Stunde nicht abnimmt, und tatsächlich hat es um sechs Uhr sechs elfmal ins Leere geläutet.

Ins Leere hat es auch beim zweiten Mal geläutet, und da ist Fabienne um sechs Uhr acht zum Schlüsselbrett zurückgegangen und hat die vom sechsundzwanziger genommen.

Die Schlüssel vom sechsundzwanziger hängen am dritten Haken von links, und an jenem Morgen hatte sie sie schon einmal genommen und zurückgehängt, und das ist bekannt geworden, weil der Haken, wenn man ihn loslässt, gegen das Eisen schlägt, und im Depot erkennt man diesen Schlag von hinten.

Von hinten, aus dem Gang der Umkleiden, kam Malik, der der Vertrauensmann des Depots ist und der im selben Jahr wie sie zum Netz gekommen ist.

Malik hat ihr nicht gesagt, sie solle aufhören. Er hat ihr die Tür zum Hof aufgehalten, er hat sie durchgelassen, und während sie die Tür des sechsundzwanzigers öffnete, hat er einen einzigen Satz gesagt.

„Morgen sind es drei, die danach fragen.“

Dann ist er wieder hineingegangen und hat die Tür offen gelassen, die im Zug schlägt, und sie hat geschlagen.

Fabienne blieb mit offener Tür und einem Fuß auf der ersten Stufe stehen. Von der Stufe aus sieht man um diese Stunde die Straße nach Herstal, die am Samstagmorgen bis zur Brücke leer ist.

Das Schild Außer Betrieb stand schon hinter der Windschutzscheibe, an das Armaturenbrett gelehnt, mit der Schrift zur Straße gedreht.

Fabienne ist ausgestiegen. Sie hat die Tür mit der flachen Hand zugemacht, so wie man zumacht, wenn man kein Geräusch machen will, und das Geräusch hat sie trotzdem gemacht.

Dann ist sie wieder hineingegangen und hat die Schlüssel an den dritten Haken zurückgehängt.

Am dritten Haken sind die Schlüssel den ganzen Tag hängen geblieben und auch den Tag darauf.

Der Tag darauf war der zweite der beiden, und die zwei Tage sind vergangen, wie die Tage vergehen, an denen man nicht fährt.

Um sechs Uhr zwanzig an jenem ersten Morgen stand Fabienne mitten im Depot, die Jacke noch an, und um sechs Uhr zweiundzwanzig hat sie einen Kollegen gefragt, ob er sein Auto dahabe, und der Kollege hatte es, aber er war am anderen Ende der Stadt und wäre um sieben da gewesen.

Um sieben nützte es nichts mehr.

Bei der Wiederaufnahme des Dienstes, am Montag, stand an der Haltestelle des Zentrums nur eine Person. Es war die Frau vom vorderen Platz, die als Zweite einsteigt und die die blaue Leinentasche trägt.

Die andere, die als Erste einstieg, war an jenem Montag nicht da, und sie war auch am Montag darauf nicht da. Im Depot hat man nichts erfahren, und Fabienne hat nichts gefragt, weil man im Zentrum die Namen nicht sagt und sie nach dem Namen nie gefragt hatte.

Sie hat die Türen geöffnet. Sie hat die Zeit gewartet, die sie immer wartete, das sind zwanzig Sekunden, am Armaturenbrett gezählt. Sie hat geschlossen.

Sie hat guten Morgen gesagt, weiter nach Herstal.

Am Montag darauf, dieselbe Stunde, dieselbe Haltestelle, und die Frau mit der blauen Tasche ist eingestiegen und hat sich nach vorn gesetzt.

Sie hat guten Morgen gesagt, weiter nach Herstal.

Am dritten Montag war niemand an der Haltestelle, und Fabienne hat die Türen trotzdem geöffnet, und sie hat die zwanzig am Armaturenbrett gezählten Sekunden gewartet, und sie hat sie alle gewartet.

Sie hat guten Morgen gesagt, weiter nach Herstal.

Wallonie, Belgien. Die Fahrer des öffentlichen Verkehrsnetzes LETEC treten am 27. August 02026 in einen 48-stündigen Streik, nach dem Scheitern der regionalen Schlichtung zu Monatsbeginn: Streitgegenstand ist ein jährlicher Ökogutschein über 100 Euro, der allen Beschäftigten des Netzes durch ein im Dezember ausgelaufenes Fünfjahresabkommen garantiert war (World Socialist Web Site).
Lattimo · I
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Notiz

Fakt: Am siebenundzwanzigsten August beginnen die Fahrer des Netzes LETEC im französischsprachigen Wallonien einen Streik von achtundvierzig Stunden, nach dem Scheitern der regionalen Schlichtung. Streitgegenstand ist ein ökologischer Gutschein über hundert Euro im Jahr, garantiert durch ein im Dezember ausgelaufenes Fünfjahresabkommen. (World Socialist Web Site, 27. August 02026.)

Welt: Am Abend des Samstags, des neunundzwanzigsten August, greifen die Rapid Support Forces die Dörfer Al-Qaa und Al-Kawakiti westlich von Bara in Nord-Kordofan an: fünf getötete Zivilisten, geplünderte Häuser und Viehbestände, über dreitausend Menschen auf der Flucht, einige davon im Westen von Omdurman angekommen (Sudan Tribune). Auf den Philippinen überschwemmt der Südwestmonsun sechshundertsechsundvierzig Gebiete in sieben Regionen und treibt dreiundvierzigtausendfünfhundert Menschen in fünfhundertdreiundzwanzig Evakuierungszentren (Manila Bulletin).

Varianten: 5.

Lattimo · Pneuma I.

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